Tragen und was das mit uns und unseren Babys macht

Babys sind Traglinge – besonders in den ersten Lebensmonaten ist Nähe für sie genauso wichtig wie Nahrung und Schlaf. Ein gut genutztes Tragetuch oder eine ergonomische Babytrage kann dabei sowohl für das Baby als auch für euch als frischgebackene Eltern sehr gesund und entlastend sein.

Steinzeitbabys und das Bedürfnis nach Nähe

Menschenkinder kommen im Vergleich zu anderen Säugetieren unreif zur Welt und sind auf ständige Nähe und Schutz angewiesen – deshalb spricht man oft von „Steinzeitbabys“, deren Bedürfnisse noch an das Leben in kleinen Gruppen und in der Natur angepasst sind. In dieser Umwelt war es überlebenswichtig, dass ein Baby getragen wurde: Körperkontakt bedeutete Wärme, Schutz vor Gefahren und schnellen Zugang zur Brust.

Wenn euer Baby sich heute „nur auf dem Arm“ beruhigt, zeigt es damit genau dieses uralte Programm: In der Trage hört es euren Herzschlag, spürt eure Bewegungen, riecht euren Körper und kann sich dadurch besser regulieren und entspannen. Studien und Elternbefragungen zeigen, dass getragene Babys oft weniger weinen, sich besser beruhigen lassen und leichter in den Schlaf finden.

Warum Tragen gesund für Babys ist

Anatomisch sind Babys von Anfang an auf das Getragenwerden vorbereitet: Hebt ihr euer Neugeborenes hoch, zieht es reflexartig die Beinchen an – eine Haltung, die in einer guten Trage als sogenannte Anhock-Spreiz-Haltung nachgeahmt wird und die Hüftentwicklung unterstützt. Diese Position kann sogar vorbeugend und unterstützend bei Hüftdysplasien wirken, wenn die Trage richtig eingestellt ist.

Durch den ständigen leichten Bewegungsausgleich in der Trage trainiert euer Baby seine Muskulatur und seinen Gleichgewichtssinn, es „turnt“ sozusagen sanft mit, während ihr euch bewegt. Gleichzeitig hilft die aufrechte, leicht angehockte Position vielen Babys bei Verdauungsbeschwerden und Koliken, weil der Bauch entspannt und Gase leichter entweichen können.

Bindung, Emotionen und Entwicklung

Tragen ist nicht nur praktisch, sondern bindungsfördernd: Durch den engen Körperkontakt könnt ihr die Signale eures Babys sehr früh wahrnehmen und schnell darauf reagieren, was Sicherheit und Urvertrauen stärkt. Getragene Babys erleben Nähe, Wärme und Reaktionen auf ihre Bedürfnisse – das unterstützt eine stabile, sichere Bindung und eine gesunde psychische Entwicklung.

Auch körperliche Vorgänge profitieren davon: Hautkontakt und Nähe fördern die Ausschüttung von Oxytocin, dem „Bindungs- und Kuschelhormon“, das sowohl bei euch als Eltern als auch beim Baby für Entspannung sorgt und sogar das Stillen unterstützen kann. Viele Eltern berichten zudem, dass ihre Babys in der Trage ruhiger sind, besser schlafen und sich insgesamt ausgeglichener zeigen.

Vorteile für euch als Eltern

Für euch als Eltern bedeutet eine Babytrage vor allem: zwei freie Hände im Alltag – und trotzdem ein zufriedenes Baby am Körper. Im Vergleich zum Tragen auf dem Arm wird das Gewicht in einer ergonomischen Trage deutlich besser auf Schultern, Rücken und Hüfte verteilt, was euren eigenen Körper schont.

Ihr könnt euch im Haushalt bewegen, mit Geschwisterkindern spielen oder einfach einen Spaziergang machen, während euer Baby dicht bei euch schläft oder die Welt von eurem sicheren Körper aus beobachtet. Gerade in der anstrengenden Anfangszeit kann das Tragen helfen, Stress zu reduzieren, euren Alltag flexibler zu gestalten und euch mehr Selbstvertrauen im Umgang mit eurem Baby zu geben.

Worauf ihr beim Tragen achten solltet

Damit Tragen wirklich gesund ist, sind ein paar Grundregeln wichtig: Achtet auf eine ergonomische Trage oder ein gut gebundenes Tuch, in dem die Beinchen angehockt und gespreizt sind, der Rücken leicht gerundet und der Kopf gut gestützt ist. Euer Baby sollte so hoch sitzen, dass ihr ihm bequem einen Kuss auf den Kopf geben könnt, und das Gesicht muss immer frei und gut sichtbar bleiben, damit die Atmung nicht behindert wird.

Lasst euch im Zweifel von einer Trageberatung oder Hebamme zeigen, wie ihr euer Neugeborenes richtig einbindet – das gibt Sicherheit und sorgt dafür, dass ihr die gesundheitlichen Vorteile optimal nutzen könnt. Wenn ihr auf euer Bauchgefühl hört und euer Baby viel tragt, „verwöhnt“ ihr es nicht, sondern gebt ihm genau das, was sein kleines Steinzeitherz braucht: Nähe, Schutz und Geborgenheit.

(WERBELINKS)

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